Film von Sebastian Kutzli
Buch : Marie Amsler

Ein Drehbuch schreiben

Am Anfang eines Drehbuches steht immer die faszinierende Idee zu einer guten Story. Manchmal führt diese Idee zu großer Anerkennung der Arbeit des Drehbuchautors und zu einem erfolgreichen Film. Häufig aber verschwindet das Drehbuch trotz guter Idee in der Schublade.

Meistens liegt es daran, dass das Drehbuch nicht genügend professionelle Qualität aufweist. Denn eine Geschichte muss man vor allem auch gut erzählen können.

Eine gute Drehbuchidee umzusetzen verlangt Kreativität, Talent und gutes Schreiben, damit eine fesselnde Filmgeschichte entsteht. Gutes Schreiben heißt vor allem, das Drehbuch mit einer adäquaten dramatischen Struktur zu versehen, aber auch zu wissen, wie ein international oder national anerkanntes, professionelles Drehbuchformat aussieht.

Aber auch Durchhaltevermögen ist gefragt. Drehbücher sind - anders als Romane – gedacht als Vorlage für eine Gemeinschaftsarbeit, zu der noch viele weitere Beteiligte im Laufe der Filmherstellung ihre Ideen beitragen. Ein korrekt formatiertes, professionell geschriebenes Drehbuch ist die Basis für jede weiterführende Arbeit bis hin zum fertigen Film.

Diese Basis zu erstellen, erfordert professionelles Handwerkszeug. Prämisse, Logline, Synopsis, Exposé, Treatment und Bilder-Treatment sind die „Tools of the Trade“, die einerseits hilfreich bei der Vorbereitung zum Schreiben eines Drehbuchs sind, auf der anderen Seite auch wichtige Verkaufsdokumente darstellen können.

Einerseits darf das Beherrschen der richtigen Strukturelemente beim Drehbuchschreiben keinesfalls zu einem rigiden und seelenlosen „screenwriting by numbers“ (siehe Artikel von Lisa Rosenberg unter LEKTÜRE) führen. Andererseits ist es jedoch wichtig, nicht nur arthouse cinema bei der Konzeption von Drehbüchern im Visier zu haben, sondern auf ein breiteres Publikum abzuzielen und durchaus dem Genre-Kino Rechnung zu tragen, auch im Hinblick auf kommerziellen Erfolg.
Eines der wichtigsten Elemente einer Geschichte, die Basis, die jeder Autor kennen sollte, bevor er anfängt zu schreiben, ist das Thema. Es ist die Gestalt, der innere Motor seines Erzählens, und es wirkt wie ein Wegweiser, um seinem Schreiben Sinn zu verleihen.

Und: "wrinting is re-writing". Als Drehbuchautor sollte man sich rechzeitig darauf einstellen: Jedes Drehbuch durchläuft etliche Versionen bis zur Endversion, dem Final Draft.

Und man sollte wissen, dass alle Techniken und Struktur-Methoden nichts nützen,
wenn die Filmstory die Zuschauer nicht packt. Weil nämlich für den Protagonisten
nichts auf dem Spiel steht: Die Fallhöhe des Protagonisten ist nicht groß genug.
Jeder gute Filmstoff sollte von einem wirklich bedeutsamen Ereignis im Leben eines Menschen handeln und zeigen, wie dieser damit umgeht. Der Zuschauer bleibt bei
einer auf diese Weise konzipierten Story nicht passiv. Er geht aktiv mit, und die
Aussage des Filmes kann auch für ihn der Anstoß zu einer inneren Entwicklung sein.